h.yurén ©2006


stichwort-proben aus dem dicksten und teuersten deutschen wörterbuch, das sich "das große" nennt

 

 

   
stichwort jagdleidenschaft
   
kommentar
für die dudenredaktion kein absonderlicher oder gar anachronistischer gefühlstaumel, auch keine verwerfliche anwandlung wie plötzliche mordlust, nein, für dudens ist das etwas durchaus natürliches und normales wie irgendein freizeitvergnügen, nichts anderes eben als schach spielen, lesen, radeln oder kegeln.
nicht die andeutung von bedenken seitens dudens, was die psychische verfassung der person mit so einer eigenschaft angeht. von therapievorschlägen ganz zu schweigen.
dudens ganzer kommentar:
"große, leidenschaftliche Lust zu jagen, zur Jagd: die J. hatte ihn gepackt."
und? was tat der gepackte? lief er amok im wald und auf der heide?
kein sterbenswörtchen darüber, wie sich die jagdleidenschaft äußert und auswirkt.
dass dieser gemütszustand ziemlich epidemisch vorkommt, darauf lassen die drei synonyme schließen, die dudens dokumentieren:
"Jagdfieber":
"leidenschaftlicher Eifer bei der Jagd."
"Jagdlust":
"vgl. Jagdleidenschaft."
"Jagdvergnügen":
"jagdliches Vergnügen."
in einer kriegsgesellschaft ist es nicht sehr naheliegend, das syndrom unter die lupe zu nehmen. in der spaßgesellschaft soll ja jede/r auf seine/ihre weise glücklich werden. von der marktgesellschaft weiß man, dass anything goes. nur spielverderber und miesmacher missgönnen den weidmännern und -frauen die reine freude des "Jagdglücks" und den stolzen schmuck am dunkelgrünen hut.
die kritiker der jägerei übersehen nur allzu oft, dass auf der straße mehr menschen zur strecke gebraccht werden als in freier wildbahn. es herrscht ein stilles übereinkommen zwischen allen beteilgten, dass ein jagdunfall (kein eintrag im duden), bei dem z.b. einem treiber die volle schrotladung aufs fell gebrannt wurde, die mühsam operativ herausgeholt werden muss, in den medien nicht oder nur am rande erwähnt wird. es wäre unverhältnismäßig, jeden bock zu bringen, der im eifer der jagd geschossen wird. es wäre, würde der alte adenauer sagen, pingelig.
das aber kann man einer jagd- und kriegsgesellschaft nun wirklich nicht nachsagen, dass sie pingelig sei.
dass auch im osten auf friedliche lebewesen geschossen wurde, ist keine frage. das lemma bestätigt den verdacht.
> hochsitz, jäger, jagdfrevel, jagdschein, mordsmäßig, tierrecht, tierschutz
   
 
<< mehr auf www.weltwissen.com drucken >

 

 

impressum